FHP wird nachhaltig

Nachhaltige Hochschule

Der anthropogene Klimawandel und seine Folgen für die Lebensbedingungen auf der Erde sind vielfach schon beschrieben und diskutiert. Ein zentrales Problem des nötigen Kulturwandels ist dabei die mangelnde Verknüpfung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und technologischer Strategien, mit den Handlungslogiken von sozialen Organisationen und Lebenswelten, hervorgehoben. Die mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen sind nur, so die Folgerung, in einem komplexen Zusammenspiel der unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen anzugehen: Technologische Innovationen, die Reform der ökonomischen Rahmenbedingungen und Veränderungen in den Lebensweisen sind gleichermaßen notwendige Bedingungen für relevante Antworten auf den Klimawandel.

„Was jetzt nötig ist, sind gute Informationen und gründliches Nachdenken, denn in den kommenden Jahren wird dieses Thema alle anderen in den Schatten stellen. Es wird zum einzigen Thema werden“ (Tim Flannery, zitiert nach Kunstforum 199, 2009, S. 32)

Das Projekt Nachhaltige Hochschule stellt die Organisation Hochschule als Untersuchungsfeld in den Mittelpunkt, um die Möglichkeiten und Synergien natur-, ingenieurs- und geisteswissenschaftlicher Disziplinen zu erkunden und zu erproben. Dahinter steht die Annahme, dass an Hochschulen das Spannungsverhältnis zwischen individuellen Lebensformen und Anforderungen der gesellschaftlichen Institutionen besonders gut untersucht werden kann. Darüber hinaus genießen Studierende wie auch Lehrende ein ungewöhnlich (im Verhältnis zu anderen Institutionen) hohes Maß an individuellen Entfaltungs- und Verwirklichungsmöglichkeiten.
Das Projekt wählt zwei unterschiedliche Zugänge zum Aufgabenbereich Nachhaltige Hochschule, die im WS 2010/2011 und SS 2011 jeweils in Form von Teilprojekten realisiert werden:

  1. Teilprojekt:
    Pflicht – Umweltbericht FHP

    Umweltberichte sind Standardpublikationen eines Unternehmens. Darin werden die Umweltprobleme, die das Unternehmen verursacht, analysiert und der Stand der Maßnahmen zur Beseitigung bzw. Minderung dokumentiert. Im Teilprojekt Pflicht soll ein Umweltbericht für die Fachhochschule Potsdam fachbereichsübergreifend erarbeitet werden.

    Der Umweltbericht:

    • dokumentiert den Status Quo nachhaltiger Wirtschafts- und Arbeitsweisen an der FHP
    • ist Ausgangspunkt für Verbesserungsmaßnahmen, Alternativkonzepte und Utopien
    • dient der Information und Kommunikation als Basis für Verhaltensänderung
    • zeigt als regelmäßige Erhebung das Veränderungs- und Innovationspotential der FHP

    Projektablauf:

    • Recherche (Interviews, Beobachtungen, Best Practice Beispiele, etc.)
    • Auswertung & Bewertung (Kennzahlen, Statements, Vergleiche)
    • Visualisierung & Kommunikation der Analyseergebnisse
    • Diskussion & Handlungsplan (SS 2011)

    Der Umweltbericht wird als eine Aufgabe der gesamten Hochschule verstanden, an der alle Statusgruppen und Abteilungen beteiligt sind (Studierende, Lehrende, Verwaltung, technische Mitarbeiter, Reinigungspersonal etc.).

    Im WS 2010/11 erarbeitet die Projektgruppe eine Bestandsaufnahme. Dabei wird ein möglichst umfassendes Bild aller Umweltdaten erstellt (z. B. Energieverbrauch, Verbrauchsmaterial, Verwertungsquoten, energetische Analyse der Gebäude und Geräte, Erfassung und Entsorgung von Schadstoffen, CO2-Verbrauch durch das Verkehrsaufkommen der Hochschulmitglieder, Verschrottung/ Wiederverwertung von EDV-Geräten, Reinigung und Pflege der Gebäude etc.).

    Neben der quantitativen Erfassung werden mit qualitativen Methoden Einstellungen, Haltungen und Handlungsbereitschaft der Akteure untersucht.

    Die Ergebnisse des Projektes liegen konkret in Form eines Umweltberichtes vor, der neben dem Status Quo Lösungsansätze und Veränderungspotentiale für nachhaltige Wirtschaft- und Arbeitsweisen sowie ressourcenschonendes Mobilitätsverhalten an der FHP formuliert. Die mediale Form des Umweltberichtes ist Teil des Forschenden Lernens im Projekt.

    Die Suche nach zielgruppengerechten Kommunikationsformen und Medientypen für die Umweltberichterstattung wird federführend durch Studierende und Lehrende der Fachbereiche Design und Informationswissenschaften gestaltet. Ziel ist es, ein Format zu definieren, das als Basis für eine regelmäßige Umweltberichterstattung und Fortschrittskontrolle an der FHP zukunftsfähig ist.

  2. Teilprojekt:
    Kür – Zukunftslabor für ein gutes Leben in Zeiten des Klimawandels

    Das Teilprojekt Kür soll ungewöhnliche Ideen für notwendige Veränderungen produzieren. Alles ist (zunächst) erlaubt was dazu dient, den CO2-Verbrauch zu reduzieren und die Freude, auf diesem Campus wirken zu können, zu erhöhen.

    Die Quellen der Inspiration sind die Ideen, Entwürfe wie auch die Umsetzungen, die es überall auf der Welt gibt. Daraus erwächst die eigene Kreativität. Ähnlich wie im Teilprojekt Umweltbericht gibt es eine Aufgabenteilung in den beiden Semestern: Sturm- (Storming) und Suchphase (WS 2010/2011) sowie Drang- (Performing) und Erprobungsphase (SS 2011).

    Das Zukunftslabor versteht sich als Think Tank für ungewöhnliche Ideen und Aktionen für ein klima- und ressourcenschonendes Lehren, Lernen und Leben auf dem Campus.

    Der geplante Solarpavillon ist dafür ein Ansatz. Daran anschließen könnten z. B. Projekte zur Erzeugung von Energie auf dem Campus, mit der Erprobung unterschiedlicher, heute teilweise noch kurios erscheinenden, Methoden. Welchen Schwerpunkt man auch wählt, es geht darum, mit Best-Practice-Beispielen eine Vorreiterrolle einzunehmen und die FHP als ein Zukunftslabor für Energie und Lebensqualitäten zu positionieren.

    Die Ergebnisse des Zukunftslabors werden als Prototypen, Installationen, Handlungsanweisungen etc. im Rahmen einer Ausstellung auf dem Campus präsentiert und auf einer Website online dokumentiert.

Längerfristige Perspektiven hinsichtlich der inhaltlichen Schwerpunkte der beteiligten Fachbereiche

Das Projektangebot Nachhaltige Hochschule wird vom Innovationskolleg Stadtklima Potsdam initiiert und ist damit Teil der Bemühungen, ein fachbereichsübergreifendes Forschungsprofil der FHP zum Thema der Vermittlung zwischen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, dem technischen Fortschritt und der Sinnsuche in den Lebenswelten des Alltags aufzubauen. Die FHP ist besonders geeignet, diese Aufgaben zu bearbeiten. Zum einen ist der technologische Ansatz vertreten, insbesondere im FB Bauingenieurwesen, zum anderen auch der lebensweltliche Zugang, insbesondere im FB Sozialwesen. In den FB Informationswissenschaften, Architektur und Design stehen die beiden Diskurse in einem strukturellen Spannungsverhältnis.

Kompetenzentwicklung der Studierenden und der Lehrenden

Die Studierenden haben die Chance, Methoden unterschiedlicher Disziplinen in der konkreten Anwendung kennenzulernen, zu erproben und ihre jeweiligen Stärken und Schwächen im Feld zu erleben. Unter anderem sollen Methoden der empirischen Sozialforschung und des Design Thinking, Methoden der Umwelt- und Verhaltenspsychologie sowie wie Methoden der Arbeits- & Organisationspsychologie bei der Erhebung, Kommunikation und Diskussion sowie Präsentation zum Einsatz kommen. Die Studierenden entwickeln darüber hinaus Kompetenzen im Umgang mit der Initiierung und Moderation von Veränderungsprozessen (Change Management) in einer Organisation. Sie erwerben praxisrelevante Kenntnisse über dem Umgang mit Widerstände gegen notwendige Veränderungen und Methoden zur Überwindung dieser Widerstände. Von diesem Kompetenzzuwachs werden die Lehrenden ebenso profitieren. Sie gewinnen zusätzlich durch das interdisziplinäre Format in der Konfrontation mit fremden Auffassungen und Methoden zum eigenen Arbeitsfeld inhaltliche und methodische Kenntnisse, sowie Erfahrungen im Projektmanagement.

Team und eventuelle institutionelle Partner

Die Mitglieder des Innovationskolleg Stadtklima Potsdam (Prof. Dr. Jutta M. Bott, Prof. Dr. Frank Heidmann, Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm & Prof. Dr. Hermann Voesgen) bilden das Projektteam. Das Thema impliziert eine enge Kooperation mit allen Mitgliedern der Hochschule.

Umfang des Projekts, studentische Zielgruppen und Gruppengrößen

Das Projekt beginnt im Wintersemester 2010/2011. Es läuft über zwei Semester und wird in Form von zwei parallelen Teilprojekten (Pflicht und Kür) angeboten. Zusammengehalten werden die beiden Teilprojekte durch ein Projektplenum, in dem Studierende und Dozenten gleichberechtigt über das weitere Vorgehen, Schwerpunkte, Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und die Verwendung von Geldern entscheiden. Das Projekt ist offen für Studierende aller Studiengänge im ersten und zweiten Studienabschnitte (Bachelor) sowie für Masterstudenten. Bis zu 20 Studierende können an jedem Teilprojekt teilnehmen.

Delicous Digg Stumbleupon Reddit Designbumb Designfloat Technorati Mixx Thewebblend Faqpal -->